Movies

Published on November 7th, 2013 | by Toni Forsati

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Disneys „The Lone Ranger“ Debakel

Wenn der große Name Disney fällt, dann assoziiert ihn fast jeder mit Prinzessinnen, Zeichentrickfilmen und Musicals. So gern sich unsereins an die kunterbunte Disney Welt erinnert, so gespaltener ist die jetzige Persönlichkeit des Konzerns. Während einerseits weiterhin sehr erfolgreiche (animierte) Kinder- und Familienformate produziert werden (anfangs u.a.  in Co-Produktion mit Pixar und ab 2006 nach dessen Übernahme für 7,4 Milliarden US Dollar komplett unter dem Dach des Konzerns), betrat Disney spätestens seit Beginn des Pirates of the Caribbean Franchises im Jahr 2003 die Bühne der großen Sommer-Action-Blockbuster. Mit einem internationalen Einspielergebnis von fast 3,7 Milliarden US $ ein überwältigender Erfolg. Dabei ruhte sich Disney nicht auf seinen Loorbeeren aus, sondern schien seine schon bei Fluch der Karibik erfolgreiche Formel auf weitere Blockbuster zu übertragen: Bombastische Action verbunden mit einer sowohl spannenden als auch lustigen Geschichte. Alles in allem eine Unterhaltung für die ganze Familie. Da dieses Konzept auch auf die bereits sehr erfolgreichen Comic Verfilmungen übertragbar waren, kaufte Disney Marvel Entertainment im Jahr 2009 für 4 Milliarden $. Obwohl Marvel dadurch zum Disney Konzern gehört, produziert das hauseigene Filmstudio „Marvel Studios“ relativ eigenständig ihre eigenen Produktionen – auch hier mit überwältigendem Erfolg. Ob nun Iron ManThor oder der Action-Overkill The Avengers: mit Marvel scheint Disney den hauseigenen Goldesel am Hofe des Disney Schlosses zu besitzen. Die Qulität der Filme sei an dieser Stelle mal dahingestellt.

 

Marvel – Disneys Goldesel

Donkey-MarvelVon Marvel und dem Erfolg von Fluch der Karibik überflügelt, began Disney, abseits ihrer genauso äußerst erfolgreichen Familienproduktionen wie Alice im Wunderland (Einspielergebnis von über 1 Millarde $ weltweit), eigene und neue Sommerblockbuster zu produzieren. Was sollte denn schon schief gehen? Wir reden doch vom Disney Konzern, die mit fast jedem neuen Film an der Milliarden-Dollar-Grenze kratzen.

 

Erster Dämpfer für Disney: Prince of Persia

Den Anfang machten sie mit Prince of Persia im Mai 2010. Die Videospielverfilmung mit dem Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal (bekannt aus Donnie Darko, End of Watch und Brokeback Mountain) und dem Erfolgsproduzenten Jerry Bruckheimer war als die neue Erfolgsreihe neben der Fluch der Karibik Reihe gedacht. Mit einem Budget von mehr als 200 Millionen US Dollar war Disney felsenfest davon überzeugt den neuesten Sommer-Blockbuster für die ganze Familie zu landen – und dies für die nächsten Jahre. Doch es kam anders: Prince of Persia floppte an den US-Kino Kassen. Das Einspielergebnis lag bei $90 Millionen $. Obwohl der Film kein wirkliches finanzielles Fiasko für Disney war, da er außerhab der USA etwa 244 Millionen $ einspielte (wodurch der Film insgesamt 335 Millionen $ einnahm) war die Ernüchterung groß. Zum ersten Mal seit langem spürte Disney einen Dämpfer, da sie mit ähnlichen Einspielergebnissen wie bei Johhny Depps Karibik Abenteuern gerechnet haben. Die ursprünglich als Trilogie angelehnte Prince of Persia Reihe wurde nach dem Ausfug auf der großen Leinwand wieder schnell in den Wüstensand vergraben. Von einer weiteren Fortsetzung wollten die Verantwortlichen bei Disney nichts mehr wissen. Zu groß war die Gefahr, dass ein weiterer Film tatsächlich ein finanzieller Misserfolg werden könnte.

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Trotz Mittelmäßiger Geschichte ein finanzieller Erfolg: Tron Legacy

Nachdem im gleichen Jahr im Dezember 2010 Tron Legacy anlief, schien das kleine Fiasko mit Prince of Persia schon wieder vergessen. Mit einem Budget von 170 Millionen spielte Tron Legacy 172 Millionen $ allein an den US Kino-Kassen und 228 Millionen $ weltweit ein. Ein Achtungserfolg nach der vermeintlichen Pleite des Perser Prinzen. Doch lag der Erfolg nicht daran, das  Tron Legacy ein guter Film war. Visuell war der Film wahrlich beeindruckend und umwerfend. Jedoch vermochte es Disney ein weiteres mal nicht eine gute Geschichte zu erzählen. Dank des Kultstatuses des Vorgängers Tron konnte man allein mit dem Namen genügend Zuschauer in die Kinos ziehen – die Krtikien hinsichtlich der Geschichte waren verheerend. Disney nickte ab – eine Fortsetzung zu Tron Legacy wird gedreht, gelernt haben sie jedoch nichts daraus.

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Katastrophal für Disney: John Carter

Weiter ging es mit der nächsten großen Disney Produktion: John Carter, basierend auf einer Romanvorlage aus dem Jahr 1917 vom Tarzan Autor Edgar Rice Burroughs. So beliebt und vielversprechend die Geschichte Burroughs auch war, so schien eine Verfilmung von Anfang an wie vom Pech verfolgt zu sein. Den ersten Versuch, John Carter zu verfilmen, unternahm 1931 das Studio MGM mit dem Regisseur Bob Clampett. Er hätte noch vor Schneewittchen und die Sieben Zwerge der erste abendfüllende Zeichentrickfilm werden sollen. Doch nachdem man 1936 zu Testzwecken Filmmaterial hatte drehen lassen und es dem Publikum gezeigt hatte, fiel die Kritik negativ aus. Daher wurden die Produktionen zunächst auf Eis gelegt und Clampett wandte sich einer Zeichentrickserie von Tarzan zu.

Als Walt Disney Pictures 1980 die Filmrechte an John Carter zum ersten Mal erwarb, wollten sie die beliebte Romanvorlage produzieren, um den damaligen Blockbusterkonkurrenten  Star Wars und Conan der Barbar etwas entgegensetzen zu können. John McTiernan hätte Regie führen und Tom Cruise die Hauptrolle übernehmen sollen. Da der Regisseur die Technik der visuellen Effekte noch zu rückständig hielt, wurde die Produktion gestoppt und die Filmrechte gingen zurück an Burroughs’ Erben.

Ein dritter gescheiterter Versuch ging von Paramount aus. Nachdem Harry Knowles die Produktionsfirma von Burroughs’ Science-Fiction-Saga überzeugt hatte, wollte diese die Filmrechte erwerben. Doch auch Columbia schien an diesen interessiert zu sein, sodass es zum Streit kam. Paramount konnte diesen für sich gewinnen, woraufhin Knowles mit der Produktion begann. Doch scheiterte der Versuch, Frank Miller die Co-Regie führen zu lassen. Im Oktober 2005 fiel der Regieposten letztendlich auf Jon Favreau, der die ersten drei Bücher in einem Film verpackt verfilmen sollte. Paramount bemängelte jedoch sein Engagement am Film und brach die Produktionen im August 2006 ab, als das Studio entschied, die Filmrechte nicht länger zu behalten. Favreau wandte sich daraufhin der Verfilmung von Iron Man zu, dessen erster Teil 2008 erschien.

Letztlich erwarb Disney 2007 erneut die Filmrechte und engarierten den Regisseur Andrew Stanton, der damit sein Regiedebüt hatte. John Carter war abermals als Trilogie geplant und besaß ein Budget in Höhe von 250 Millionen $, zuzüglich Werbe- und Marketingkosten in Höhe von weiteren 100 Millionen $.  Aus finanzieller Hinsicht war der Film für Disney eine absolute Katastrophe.  Noch im gleichen Jahr (2012) wurde gemeldet, dass John Carter im laufenden Quartal voraussichtlich einen operativen Verlust von 200 Millionen Dollar einfahren werde. Der Chef der Disney-Filmstudios Rich Ross gab infolgedessen im April 2012 seinen Rücktritt bekannt.

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Insgesamt spielte der Film an den US Kinokassen nur 73 Millionen Dollar ein, zuzüglich zu den 209 Millionen US Dollar, die sie weltweit eingespielt haben. Wieder einmal gelang es Dinsey im Vornherein nicht dem Zuschauer zu vermitteln um was für einen Film es sich handelt –Familenfilm oder eine epische Action-Geschichte? Persönlich hat mir der Film sehr viel spaß bereitet und unterhielt mich gänzlich. Wie man John Carter auf den Punkt bringen kann? Avatar auf Crack!

 

Von Anfang an zum Scheitern verurteilt? The Lone Ranger

Nach diesem finanziellen Disaster setzte Disney alles auf eine Karte: Johnny Depp, Jerry Bruckheimer und Gore Verbinski, das Erfolgsteam hinter der „Fluch der Karibik“ Reihe. Lone Ranger sollte ursprünglich Ende 2012 in die Kinos kommen, aber die Walt Disney Company stoppte im August 2011 kurzzeitig die Arbeiten, da ihnen das geplante Budget zu hoch war und es Befürchtungen gab, dass der gewünschte Erfolg aus bleibe nachdem „Cowboys & Aliens“  vom IronMan Regisseur Jon Favreau mit einer ähnlich überdrehten Wetsern-Thematik an den Kinokassen floppte (Budget: 163 Mill $ / Eingespielt: USA 100 Mill $, Int. 74 Mill $). Nach kurzer Zeit wurde dennoch weitergedreht und der Premierentermin auf 2013 verschoben.

Doch es kam wie es kommen musste: trotz eines Budgets in Höhe 250 Millionen US Dollar zuzüglich 175 Millionen für Marketing (summa sumarum: 425 Millionen US Dollar Budet!) ging „The Lone Ranger“ schon in der ersten Woche an den US Kinokassen unter. Lediglich 51 Millionen Dollar konnten bisher eingespielt werden. Die Verantwortlichen bei Disney sind fassungslos und können sich dieses erneute Fiasko nicht erklären. Dave Hollis von Disney äußerte sich wie folgt zu dem bisherigen Misserfolg des Films:

 

„Es ist sehr enttäuschend! Auf dem Papier war alles perfekt, so dass nun alles sehr frustrierend ist.“

Doch genau hier liegt Disneys Problem: Man kann einen Film nicht nach einer mathematischen Formel planen. Man kann nicht sagen „Ok, wir nehmen Johnny Depp, den lieben sowohl Männer als auch Frauen. Er zieht die Leute in die Kinos. Dazu kommen noch Jerry Bruckheimer und Gore Verbinski hinzu. Zu dritt haben sie schon „Pirates of the Caribbean“ zum Erfolg verholfen. So, das werden sie nun auch tun! Na los, hauen wir 400 Millionen in den Pott!“

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Nein, die Zeiten sind vorbei, in denen solche Milchmädchen-Rechnungen geklappt haben. Mittlerweile sind die Kinozuschauer gesättigt. Gesättigt von CGI und bombastischen Action Szenen. Gesättigt von großen Hollywood Stars in noch größeren Produktionen. All dies ist kein Garant mehr für einen Erfolg. Diese Worte mögen die Produzenten gar nicht gerne hören, doch es ist ganz einfach: Seitdem der Kinogänger sich an die visuelle ansprechende Action gewöhnt, können die meisten Filme nur noch mit einer guten Geschichte punkten. Ist das Drehbuch gut geschrieben, dann zieht es auch die Leute an.

 

Beispiel 1:

„True Grit“ von den Coen Brüdern. Der Film konnte auch große Stars präsentieren (Matt Damon, Jeff Bridges, Josh Brolin), besaß aber im Gegensatz zu anderen „Blockbuster Western“ wie „The Lone Ranger“ oder „Cowboys & Aliens“ nur ein Budget in Höhe von 38 Millionen US Dollar – und spielte im Gegenzug Weltweit 251 Millionen wieder ein.

 

Beispiel 2:

„Django Unchained“ von Quentin Tarantino. Auch hier konnte der Film große Stars vorweisen, doch mit einem Budget von 100 Millionen spielte er respektable 423 Millionen weltweit ein.

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Doch wird Disney daraus lernen? Vermutlich nicht. Sie werden weiterhin mit Marvel mehr als viel Geld verdienen und dann „auf dem Papier“ erfolgreiche Filme produzieren. Dass dabei eine gute Geschichte auf der Strecke bleibt, scheint keinen zu interessieren.

 

Der Film ist gefloppt? Ok, dann weg mit dem Franchise und versuchen wir etwas neues … nach dem gleichen System. Was macht Johnny Depp gerade?“

Anstatt sich an den oben genannten beiden Beispielen zu orientieren, denkt sich der Konzern (wie viele andre große Hollywood Studios): mit einem fetten Budget wird auch ein überragender Film entstehen. Das dem nicht so ist, zeigt der Misserfolg Lone Rangers. Die Kritiken sind verheerend. Trotz einer visuellen Meisterleistung Verbinskis ist der Film, was das Drehbuch angeht, alles andere als überzeugend.

Doch was stört es Disney? Nachdem sie im Oktober 2012 ein weiteres erfolgsversprechendes Studio aufgekauft haben, in diesem Fall George Lucas’ traditionsreiches Unternehmen „Lucasfilm“ (für 4 Milliarden $), wird Disney dem Lone Ranger Film (der auch einst auf dem Papier als Trilogie vorgesehen war) keine Träne hinterher weinen. Disney wird sich auf die kommenden Marvel Filme und allen voran auf den neuen Star Wars Film konzentrieren. Dieser erscheint, wie der zweite Teil der Avengers, 2015. Hoffen wir, dass auch hier nicht nur auf ein fettes Budget mit schönen Effekten gesetzt, sondern auch auf eine gute Geschichte gesetzt wird. Hoffen wir es … vergeblich.


About the Author

Wer ist nur dieser Toni und was macht er eigentlich hier? Das haben sich mittlerweile bestimmt einige Lehrer, Professoren, Freunde und Kollegen im Laufe der Zeit das eine oder andere Mal gefragt. Ich bin ein leidenschaftlicher Schreiber, Blogger und Podcaster. Ein begeisterter Journalist, Filmkritiker, Poetry-Slammer und der kreative Kopf hinter 30Frames.de , fett oder?



One Response to Disneys „The Lone Ranger“ Debakel

  1. Schattenschwuchtel123 says:

    wahre Worte
    Es ist aber schade, dass einige Filme davon so gefloppt sind, da mir John Carter zum Beispiel sehr gut gefallen hat, und Lone Ranger war auch nicht unterirdisch.
    Es ist halt echt schade, dass mittlerweile das ganze Budget in die visuelle Umsetzung und Gestaltung gekloppt wird, ohne dabei einen Teil davon ins Dreh und Regiebuch zu stecken.
    Guter Post btw :3

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